5. März 2026

Patrik Landerl, Projektleiter im Bereich Energieinnovationen, Sektorkopplung und Power2X bei der Energie Steiermark war zuletzt zu Gast im 9. EEG-Forum der Klima- und Energie-Modellregion (KEM) und Giesserei. Das Forum ist ein Treffpunkt für alle, die sich mit erneuerbaren Energiegemeinschaften beschäftigen. Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, welche Rolle E-Autos künftig im Energiesystem übernehmen können.

Schwerpunkt: Das E-Auto als Speicher

Wie können wir Strom flexibler nutzen? Der massive Ausbau von Photovoltaik erfordert neue Lösungen, um Strom zeitlich zu verschieben – etwa von sonnenreichen Stunden in die Abendzeiten oder vom Sommer in den Winter. Laut aktuellen Prognosen wird sich der Bedarf an sogenannter Stromverlagerung deutlich erhöhen. Landerl sprach von einer Versechsfachung des untertägigen Strom-Verlagerungsbedarfs.

Um diese Flexibilität zu ermöglichen, braucht es einen starken Ausbau an Batteriespeichern. Genau hier kann das E-Auto eine wichtige Rolle spielen. Als mobiler Stromspeicher ist es ein vielversprechender Baustein im zukünftigen Energiesystem.

Eine Studie des Fraunhofer Instituts aus dem Jahr 2024 unterstreicht dieses Potenzial: E-Auto-Besitzer:innen könnten durch sogenanntes Vehicle-to-Home (V2H) bis zu 45 Prozent ihrer Stromkosten einsparen. Gleichzeitig könnte der Bedarf an stationären Energiespeichern um bis zu 92 Prozent reduziert werden. In ersten Pilotprojekten wurde das Auto bereits erfolgreich als Stromspeicher genutzt – technisch ist also vieles möglich.

Herausforderungen am Weg zur Umsetzung

Trotzdem steht die breite Anwendung noch vor Hürden. Der europäische Markt bietet derzeit vor allem kombinierte Lösungen an, bei denen eine bestimmte Wallbox mit einem definierten Automodell eingesetzt werden muss, um bidirektionales Laden zu ermöglichen. Erst ein einheitlicher technischer Standard wird eine flächendeckende Nutzung erlauben.

Auch rechtlich und wirtschaftlich gibt es noch offene Fragen. In Österreich besteht aktuell keine Befreiung von Netzkostengebühren für diese Nutzung, zudem bewegt man sich beim bidirektionalen Laden in einem rechtlichen Graubereich.

Hinzu kommen technische Aspekte: Bei sehr geringen Lade- und Entladeleistungen können aufgrund des Standby-Verbrauchs von 200 bis 600 Watt Verluste von bis zu 60 Prozent entstehen. Sehr niedrige Ladeleistungen sind daher meist nicht wirtschaftlich sinnvoll.

Häufige Ladezyklen schädigen

Ein weiterer Mythos wurde ebenfalls aufgeklärt: Die Sorge, häufige Ladezyklen würden die Batterie stark schädigen, ist nur eingeschränkt zutreffend. Werden Lade- und Entladevorgänge im empfohlenen Bereich zwischen 20 und 80 Prozent durchgeführt, wird die Batterie kaum geschädigt und die zusätzliche Alterung hält sich stark in Grenzen. Deutlich stärker wirken sich hingegen Volladungen, Tiefenentladungen oder lange Standzeiten mit extremem Ladezustand aus.

Das Fazit des Experten: Das E-Auto als Stromspeicher ist keine Zukunftsvision mehr, sondern eine realistische Option – mit großem Potenzial, aber auch mit klar erkennbarem Handlungsbedarf bei Standards und Rahmenbedingungen.

MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND, LAND UND EUROPÄISCHER UNION
DIESES PROJEKT WIRD AUS MITTELN DES KLIMA-UND ENERGIEFONDS GEFÖRDERT UND IM RAHMEN DES PROGRAMMS KLIMA- UND ENERGIE-MODELLREGIONEN DURCHGEFÜHRT.
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