Die Klima- und Energie- Modellregionen (KEM) haben mit der Erstellung der Umsetzungskonzepte im Jahr 2022 einen wichtigen Grundstein für die weitere Klimaschutzarbeit geleistet. Das Thema Mobilität wird in beiden Arbeitsprogrammen der KEM Inn-Hausruck und KEM Inn-Kobernaußerwald behandelt. Neben bewusstseinsbildenden Aktionen (Presseberichte, Gewinnspiele, Öffentlichkeitsarbeit, Aktionen mit Kindern und Jugendlichen) möchten die KEMs Umsetzungsprojekte in den Regionen unterstützen. Der Workshop und die Exkursion „Zukunft Mobilität“ vernetzen die regionalen Akteur:innen mit den KEMs.

Ziel ist es, eine / oder mehrere Arbeitsgruppen zu bilden und an den identifizierten Umsetzungsprojekten weiterzuarbeiten. Diese Arbeitsgruppe(n) wird / werden von den KEMs betreut und begleitet.


Workshop: Mobilität der Zukunft

Am 18. Oktober 2023 fand in der Wirtschaftskammer Ried im Innkreis der Workshop „Zukunft Mobilität“ statt. Die KEMs Inn-Hausruck und Inn-Kobernaußerwald luden die 19 Teilnehmer:innen zum Diskutieren und Projektschmieden ein. Konkret wurden 3 Themenbereiche bearbeitet: Senior:innenmobilität, Aktive Mobilität und neue Mobilitätsformen. Ziel des Abends war, relevante Stakeholder:innen zusammenzubringen und mögliche Projekte zu identifizieren.

Status Quo in den KEMs

Zur Darstellung des Status Quo im Bereich Mobilität führten die KEMs in den Mitgliedgemeinden Gespräche und stellten gezielte Fragen in puncto Mobilität. Im Folgenden finden sich einige Ergebnisse. Alle Ergebnisse und Grafiken können in der Präsentation unter folgendem  Link  eingesehen werden.

Abbildung: Die Wünsche der Gemeinden wurden bei persönlichen Gesprächen mit Gemeindevertreter:innen erhoben. Die Größe der Felder repräsentiert die Anzahl der Nennungen in den Gesprächen.

Eine Verbesserung der Senior:innenmobilität und die Schaffung eines Mikro ÖV wurden bei den Gemeindevertreter:innen am häufigsten genannt. Weiters wurden in den Gemeindegesprächen die Fragen geklärt, welche Rolle der ÖV in der Gemeinde spielt, wie die Taktung des ÖV  bewertet wird und ob die aktive Mobilität für die Bewältigung der täglichen Wege wichtig ist. Das Ziel der KEMs war es, ein Stimmungsbild der Region zu erhalten und mögliche Chancen zu identifizieren.

In weiteren Fragestellungen wurden die Standorte von Gesundheitseinrichtungen und Nahversorgern identifiziert. Für die Auswertung wurde eine Karte erstellt, in der die Nahversorger und die Gesundheitseinrichtungen mit einem 2km Einzugsradius sowie die Siedlungsgebiete eingezeichnet sind. Zwei Kilometer sind (wenn Personen in körperlich guter Form) durch aktive Mobilität bewältigbar. Es zeigt sich auch, dass es einige Siedlungsgebiete ohne Überschneidungen gibt. Hier sind die Personen auf andere Mobilitätsformen (z.B. auch Micro ÖV, Sammeltaxis) angewiesen. Grundsätzlich besteht eine gute Infrastruktur und diese muss erhalten werden.

Impulsvorträge und Best-Practice Beispiele

Am Workshopabend wurden durch das Partner-Projektteam im-plan-tat Raumplanungs- GmbH & Co KG Best Practice Beispiele vorgestellt. DIin Anna Aytan, Anna-Katharina Puchinger BSc und DI Matthias Zawichowski referierten zu den Themen alternative Mobilitätsformen, aktive Mobilität und Senior:innenmobilität. Die Präsentation ist online   HIER   einsehbar.

3 Workshopgruppen in 2 Runden

Im Rahmen des Workshops war es die Aufgabe erste Projektskizzen für potentielle Mobilitäts-Projekte für die beiden KEM-Regionen bzw. deren Mitgliedsgemeinden zu erarbeiten. Zu Beginn wurde daher ein potenzielles Projekt in der Gruppe gemeinsam definiert. Die Teilnehmer:innen bekamen dann unterschiedliche Rollen zugeordnet, wie z.B. Senior, Bürgermeister, ... Sie erhielten die Aufgabe sich in die zugewiesene Rolle hineinzuversetzen und aus dieser Position heraus Wünsche und Anforderungen für das Projekt zu formulieren. Die Moderator:innen erarbeiteten während der Gruppenarbeit Plakate mit den wichtigsten Eckpunkten der Projektskizzen für die Zusammenschau und Dokumentation.

Zusammenschau der Ergebnisse und Ausblick

In der Zusammenschau wurden die Ergebnisse der einzelnen Workshoprunden präsentiert. Die Teilnehmer:innen konnten anschließend noch Interessensgebiete durch einen Klebepunkt markieren. Dabei wurden folgende Themen hervorgehoben:

  • Betriebe ins Boot holen
  • Rahmenbedingungen des Landes OÖ (Informationen und politische Weichenstellung)
  • Mobilitätsverträge im Wohnbau
  • Car-Sharing und „Bier-Taxi“

Die KEMs werden diese Interessensgebiete bei zukünftigen Veranstaltungen und Aktionen aufgreifen. Die Ergebnisse und Diskussionen des Workshops waren Grundlage für die Auswahl der Exkursionsziele am 8. November 2023.  Bei der Exkursion wurden bereits umgesetzte Mobilitätsprojekte angesteuert. Den Teilnehmenden wird dadurch ein vertiefter Einblick in die Projekte gewährt.

Abbildung: In den Arbeitsgruppen wurde intensiv diskutiert und wesentliche Erkenntnispunkte festgehalten.

Exkursion: Mobilität der Zukunft

Die Exkursion „Zukunft Mobilität“ fand am 8. November 2023 statt. 8 Teilnehmende lernten 4 Mobilitätsprojekte in Nieder- und Oberösterreich kennen. Durch die Führung und Begleitung von Verantwortlichen vor Ort wurde es ermöglicht, detaillierte Einblicke in die Initiierung und Projektumsetzung zu bekommen.

LISA Tulln

LISA Tulln ist eine Ergänzung zum öffentlichen Linienverkehr in Tulln. Mit flexibel buchbaren, bedarfsorientierten Services wie E-Shuttle, E-Carsharing und Leihfahrrädern im Stadtgebiet von Tulln und am Bahnhof Tullnerfeld wurde eine innovative und flexible Mobilitätslösung für die Region geschaffen. Das Angebot von LISA ist per App oder telefonisch buchbar. Es gibt Ein- und Ausstiegsmöglichkeit an 54 Haltepunkten und 6 Mobilitätsstationen in Tulln sowie am Bahnhof Tullnerfeld. Unterwegs können an den Haltepunkten auch andere Passagiere zusteigen. Nähere Infos zu LISA Tulln finden Sie   HIER   .

Citytaxi Berger

Das Citytaxi Berger ist ein Tullner Traditionsbetrieb, der einerseits das E-Shuttle von LISA und zusätzlich das City Taxi in St. Andrä-Wördern (STAW) betreibt. Das City Taxi STAW ist eine Mischform aus Fahrtendienst und Taxi. Fahrten innerhalb der Großgemeinde können um €4,00 bzw. €5,00 in der Nacht bestellt werden. Fahrten außerhalb des Gemeindegebietes können unter der gleichen Rufnummer bestellt werden, bei diesen Fahrten kommt der normale Taxitarif zur Anwendung. Nähere Infos zum City Taxi STAW finden Sie HIER .

EMMA Maria Anzbach

EMMA ist ein Fahrtendienst auf Freiwilligenbasis bei dem Vereinsmitglieder Fahrer:innen und Mitfahrer:innen sind. Der Fahrtendienst hat 1 Fahrzeug und zählt mittlerweile 123 Mitglieder. Der Mitgliedsbeitrag liegt zwischen € 5,00 und € 25,00 pro Monat. Mit diesem Beitrag kann man den Fahrtendienst unbegrenzt nutzen. Nähere Infos zu EMMA finden Sie  HIER .

Car-Sharing Kremsmünster

Das Elektroauto (ein Nissan Leaf Tekna) kann stundenweise – ohne Kilometerbegrenzung – gebucht werden. Bislang wurde das e-Carsharing in Kremsmünster von der Genossenschaft BürgerEnergie Traunviertler Alpenvorland organisiert. Zukünftig fokussiert sich die “BürgerEnergie” auf den Ausbau von erneuerbaren Energiesystemen (Photovoltaik) sowie Energieeffizienzprojekte. Der e-Carsharing-Betrieb wurde mit Zustimmung der Gemeinde an FAMILY OF POWER übergeben. Den e-Carsharing-Nutzer:innen aus Kremsmünster steht ab sofort nicht nur das Fahrzeug in ihrer Heimat-Gemeinde zur Verfügung, sondern 40 weitere FAMILY e-Carsharing Fahrzeuge. Außerdem können über Roaming auch Fahrzeuge anderer Kooperationspartner genutzt werden.

Nähere Infos zu Car-Sharing Kremsmünster und Famliy of Power finden Sie HIER .

Ausblick

Durch den Workshop und die Exkursion wurde der Kontakt zwischen den Akteur:innen auf Gemeinde / Stadtebene und den KEMs hergestellt. Konkret wird die KEM Inn-Hausruck mit der Stadt Ried im Innkreis an weiteren Mobilitätslösungen im Bereich aktive Mobilität und neue Mobilitätsdienstleistungen weiterarbeiten. Dazu wird es weitere Treffen in einer kleineren Projektgruppe geben.

Einige Gemeinden in der KEM Inn-Kobernaußerwald möchten sich zusammenschließen und ein Senior:innentaxi etablieren. Verantwortliche vor Ort werden durch die KEM Inn-Kobernaußerwald weiter betreut.

Leider konnten an dem Exkursionstermin einige Workshopteilnehmer:innen nicht teilnehmen. Die KEMs sind offen für weitere Projektideen und bitten bei Interesse um Kontaktaufnahme.


SWOT Analyse

In der folgenden SWOT-Analyse zum Thema Mobilität in der Klima- und Energiemodellregion Inn-Hausruck werden verschiedenen Aspekte erläutert, die sowohl die aktuellen Stärken und Schwächen als auch die Potentiale und  Herausforderungen für die zukünftige Entwicklung der Mobilität in der Region aufzeigen.

STÄRKEN
  • große Bedeutung der Stadt Ried als Schul- und Arbeitsplatzzentrum bzw. Messestadt- Eine der stärksten Industrieregionen des Landes (Vielzahl an Wirtschaftsbetrieben)
  • Regionales Mobilitätsmanagement
  • viele Gemeinden haben noch Versorgungseinrichtungen vor Ort (sind durch aktive Mobilität zu erreichen)
  • Zusammenhalt /freiwilliges Engagement in Gemeinden
  • Grundlegendes Bewusstsein für Umdenken bei Mobilität bzw. Alternativen zum Pkw ist vorhanden



CHANCEN
  • Verbesserung der regionalen Erreichbarkeit (wenn Citybus Ried über Stadtgrenzen hinausfährt)
  • Mobilitätskonzept Ried
  • Mobilitätspilotprojekte (z.B. Projekt „Öffi-Packerl“)
  • Anreizsetzung für mehr aktive Mobilität
  • Sharing-Angebote etablieren (multimodale Wegeketten)
  • Etablierung Mikro-ÖV Angebote
  • Mobilität im Wohnbau (Mobilitätsverträge)
  • Ausbau Bahnhof Ried
  • Verkehrsberuhigung und Parkraumstrategie in Ried
  • Bewusstseinsbildung
  • KEM Inn-Hausruck, KEM Inn-Kobernaußerwald und LEADER Region - Mitten im Innviertel arbeitet an dem Thema „Mobilität der Zukunft“
  • Zusammenarbeit mit Hotspot Innviertel
SCHWÄCHEN
  • mangelhafte ÖV-Verbindungen (Wochenende, Randzeiten)
  • hohe Abhängigkeit vom Auto
  • Großteil der Pendler:innen kommt mit Auto (geringer Besetzungsgrad der PKW)
  • Ausrichtung Infrastruktur auf den KFZ-Verkehr
  • Verkehrsbelastung durch Berufsmobilität
  • ausbaufähige Infrastruktur für aktive Mobilität (Fuß- und Radwegenetz)
  • Fahrrad ist als Alltagsverkehrsmittel nicht im Bewusstsein der Menschen verankert
  • umständliche Linienführungen bei Busverbindungen
SCHWÄCHEN
  • Angebotslücken im ÖV am Vormittag, am Wochenende sowie in den Ferien
  • Mobilitätsarmut (Jugendliche, Senior:innen)
  • Zersiedelung
  • Abwanderung in Städte
  • Schließung Nahversorgung vor Ort
  • Steigende Treibstoffpreise
  • Angebot ÖV-Linienverkehr wird von der übergeordneten Gebietskörperschaft beschlossen und großteilsfinanziert, der Handlungsspielraum der Region ist gering






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Projektträger:

KEM Inn-Hausruck und KEM Inn-Kobernaußerwald

Umsetzung:

2023

MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND, LAND UND EUROPÄISCHER UNION